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Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Besondere Erwerbungen der Handschriftenabteilung

 

Litzmann

Haus-Chronik der Familie Litzmann in Kiel (1844-1890)


Abschrift der privaten Familienchronik der Kieler Akademikerfamilie Litzmann aus dem Jahr 1902, dem Sohn Berthold (1857-1926) gewidmet, Germanist und Literaturhistoriker in Bonn. Die Familie Litzmann war in der kulturtragenden deutschen Öffentlichkeit überregional vielfältig vernetzt, pflegte u. a. Kontakte zu Friedrich von Esmarck, Clara Schumann, Emanuel Geibel und Thomas Mann. Ihre handschriftliche Familienchronik dokumentiert über einen Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert die „freudigen und trüben“ Familienereignisse eines jeden Jahres, aufgeschrieben jeweils am Silvester- oder Neujahrstag durch ein Familienmitglied im Kreis der Verwandten. Die Eintragungen beginnen 1844, kurz nach der Heirat des Arztes Carl Conrad Theodor Litzmann (1815-1890) mit Marie Delbrück (1823-1908) in Halle, und enden 1890. Damit umfasst die Chronik vor allem die „Kieler Jahre“ der Litzmanns: die Zeit Carl Conrad Theodor Litzmanns  als Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Kieler Gebäranstalt ab 1849, aber auch die Kindheit seines Sohnes Berthold, dessen Besuch der Kieler Gelehrtenschule von 1865 bis 1875, dessen Habilitation an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und dortige Station als Privatdozent für Literatur 1883/84.
Auf 467 Seiten entfaltet sich ein umfangreiches Panorama von essayistischem Charakter, das neben der privaten Geschichte der Familie Litzmann auch ein wertvolles Stück Stadtgeschichte Kiels und Regionalgeschichte Schleswig-Holsteins in der bewegten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dokumentiert.
Die Chronik ist im Rahmen unserer Benutzungsbedingungen der Handschriftenabteilung nach vorheriger Anmeldung einsehbar.
„Das Jahr, welches gestern abgelaufen ist, war reich an erschütternden welthistorischen Ereignissen, für fast alle Staaten Europas, und für unser Vaterland insbesondere, wie kaum ein anderes in der Geschichte…“ (Eintrag zum Neujahrsmorgen 1849)

 

 „Allerliebst ist der ‘kleine Hävelmann’, wenn er auch jetzt nicht eben allzusehr an sein Urbild, den Hünen und Referendar Ernst Storm erinnert…“
STORM, Theodor, 1817–1888. Br. eigh. m.U., Husum 4.XI.1877. 3 1⁄4 S.
Der sich im Bestand der Landesbibliothek befindliche Nachlass Theodor Storms konnte um einen Brief des Husumer Dichters vom 4.11.1877  an eine „würdige“ Schülerin des Scherenschnitt-Künstlers Paul Konewka aus Greifswald ergänzt werden. Die Künstlerin hatte ihm einige Schattenriss-Entwürfe zu seinen Werken geschickt, zu denen er sich in seinem freundschaftlichen Schreiben größtenteils wohlwollend, doch teils auch kritisch äußert.

 

22.4.2016